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Am letzten Schultag vor den Herbstferien um 9.15 Uhr war die Aula des Domgymnasiums bis auf den letzten Platz gefüllt. Padre José, wie er in Bolivien genannt wird, hatte für diesen Tag seinen Besuch angekündigt. Alle zwei Jahre kommt er für einige Monate nach Deutschland und absolviert einen wahren Besuchsmarathon bei allen Kirchengemeinden, Schulen, Pfadfindergruppen und vielen anderen, die seine Organisation "Arco Iris" unterstützen. Auch die Rabanus-Maurus-Schule ist seit drei Jahren an der Hilfe für Straßenkinder und arme Familien in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, beteiligt. |
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Padre José, in Pullover und Cordhosen, aber ohne sein Markenzeichen, den breitkrempigen Hut, wirkt trotz seiner 72 Jahre jugendlich, als er vor der versammelten Schüler- und Lehrerschaft über sein Lebenswerk "Arco Iris" spricht. Die Arbeit für die Straßenkinder sei sein Lebensinhalt geworden. Diese Kinder und Jugendlichen, "die niemals zu einer Frau Mutter gesagt haben und zu einem Mann Vater", die liegen ihm am Herzen. So möchte seine Organisation denn auch für die Kinder, die keiner je haben wollte, mehr sein als ein Ort für materielle Hilfe. "Padre" ist Pfarrer Josef Neuenhofer im wahrsten Sinne des Wortes. Diese innere Haltung der Wertschätzung all denen gegenüber, die, wie es in einer Filmeinspielung hieß, wie Straßenhunde leben, ist, so spürt man, der Kern von Padre Neuenhofers Arbeit. Sehr bewegend waren die filmisch dargestellten Lebensbedingungen der Straßenkinder für die Schülerinnen und Schüler in der Aula. Dass zwölfjährige Mädchen durch Prostitution auf der Straße überleben, dass Straßenkinder unter freiem Himmel oder in Gräbern schlafen, dass Familien so arm sind, dass sich die Kinder ein Paar Schuhe oder Hosen teilen müssen, dass Polizisten weder Freund noch Helfer sind und sogar Kinder ins Gefängnis müssen - die Schilderungen von Pfarrer Neuenhofer gaben Anlass, über die Unterschiedlichkeit in unserer Welt nachzudenken. Pfarrer Neuenhofer richtete auch Grüße von dem ehemaligen Abiturienten Paul Berbée aus, der bei "Arco Iris" ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. In dessen Internetblog kann man an seinen Erfahrungen teilhaben. Die Betreuerin des Hilfsprojekts "Arco Iris", Angelika Greif, überreichte gemeinsam mit zwei Schülerinnen einen Scheck über 2500 Euro, die im Laufe des Jahres in der Schule gesammelt worden waren. Pfarrer Neuenhofer bedankte sich für die Spende und betonte, dass jeder Beitrag wichtig sei, denn er bedeutet Leben für die Kinder in Bolivien. |